Kritik am Roadmaptext der LeA

Hier wurde eine Kritik am Roadmaptext formuliert und von der virtuellen Gruppe zur Verfügung gestellt. Falls ihr den Originaltext nicht kenn findet Ihr ihn hier:

Die Myspace Gruppe Antifa Antideutschland unterstützt den Text über die politischen Mindeststandards gegen linken Antizionismus

Allerdings möchte die Gruppe ihre Unterstützung, aufgrund aktueller szeneinterner Diskussionen, argumentativ erweitern und sich vorbehalten auch Kritik an diesem Text zu äußern.

Wir erkennen an, dass es notwendig ist eine klare Position gegenüber „linken“ Antizionisten zu formulieren, doch impliziert der Text ebenfalls die Option der evt. Bündnisarbeit.
Diese lehnen wir ab!
Eine ernsthafte antideutsche Kritik, die wie im Text auch benannt, eine Kritik an der gegenwärtigen Gesellschaft darstellen soll, sollte den antiemanzipatorischen Antiimperialisten keinen Demoknigge für das Verhalten gegenüber mit Israel solidarischen Menschen formulieren, sondern sollte die Forderung keinen Frieden mit den Feinden Israels auch in letzter Konsequenz im eigenen Handlungsumfeld umsetzen und jede (!) Zusammenarbeit ablehnen.
Die Kritik eben dieser reaktionären antizionistischen Ideologie, sollte der einzige Berührungspunkt bleiben.
Auch wenn dies in der Praxis oft schwer umzusetzen ist, wenn das gemeinsame Ziel z.B. die Verhinderung eines Naziaufmarsches ist, und man oftmals gemeinsam den Repressionen des deutschen Staates oder der gemeinsamen Bedrohung durch Neonazis ausgesetzt ist.
Hier möchten wir auf die Diskussion verweisen, die aktuell von verschiedenen Gruppen in verschiedenen Gremien geführt wird – beispielhaft sei hier die Diskussion zwischen GWG und MAD Cologne über die Zukunft des Konzeptes Antifa genannt.
Ist es überhaupt noch sinnvoll gegen Nazis zu demonstrieren, oder lässt die Antifa sich von der deutschen Gesellschaft und dem Aufstand der Anständigen im Kampf gegen die „bösen“ Nazis instrumentalisieren, um vom eigenen gesellschaftlichem Versagen abzulenken?
Wir denken, dass es nach wie vor wichtig ist an Demonstrationen teilzunehmen, denn eben diese sind Schauplätze staatlicher Repression und eine Darstellung gesellschaftlicher Missstände. Diese traurigen Happenings – die oft nur ein Abenteuerspielplatz für Jugendliche sind – sind der richtige Ort um am praktischen Beispiel deutlich zu zeigen, was an unserer Gesellschaft eigentlich verkehrt ist. Dies tun wir nicht nur im Kampf gegen rechtsextreme Neonazis und die deutsche Gesellschaft, sondern auch im Kampf gegen die antiemanzipatorische Linke, die offensichtlich kein Problem damit hat sich von den Deutschen instrumentalisieren zu lassen!
Wir sehen in der Präsenz von antideutschen KommunistInnen auf antifaschistischen Demonstrationen die Chance und Notwendigkeit diese Demonstrationen auch mit tatsächlich antifaschistischen Inhalten zu füllen, und einer antideutschen Kritik eine konsequentere Basis zu geben.
Wir möchten hier auch nicht mehr zum hundertsten Mal darauf eingehen, dass Rechtsextreme und Antizionisten nur eine logische Konsequenz der deutschen Gesellschaft und Ideologie sind, sondern lediglich verkürzt darstellen, weshalb wir denken, warum so ein Text, wie der hier als Grundlage dienende Text der Leipziger Antifa eigentlich nicht notwendig sein sollte!
Denn bei dem Roadmaptext handelt es sich nicht um eine Kritik am Antizionismus, sondern lediglich um eine Kritik des Verhalten von Antizionisten antideutschen Kommunisten gegenüber. Der Text erfüllt insofern nicht wirklich den Anspruch einer Kritik, sondern das praktische Ziel eines besseren miteinander. Im Endeffekt, versucht er autoritär, auch wenn das am Anfang des Textes relativiert wird, das Verhalten von Antiimprialisten gegenüber Antideutschen zu beinflussen.
Wir erkennen allerdings die kritischen Elemente im Text der Leipziger Antifa an, und unterstützen sie, da auch wir nicht wollen, dass unnötige Angriffe, sei es nun in verbaler oder auch in physischer Form, durch unsere Genossinnen oder Genossen erlitten werden müssen!
Wir ziehen es vor erstmal argumentativ den Antizionisten deutlich zu machen, dass wir ihre Politik und ihr Verhalten ablehnen, und dass wir uns auf keinerlei Kompromisse in unserer politischen Arbeit einlassen.

Mit solidarischen Grüßen

Die Myspace Gruppe Antifa Antideutschland!

http://groups.myspace.com/antideutsch


1 Antwort auf “Kritik am Roadmaptext der LeA”


  1. 1 Moneymaker 18. März 2007 um 20:38 Uhr

    Die Kritik des Roadmaptextes besitzt eine gewisse Richtigkeit und kritisiert den Text an wichtigen Punkten. Meines Erachtens gewichtet sie die Kritik jedoch nicht richtig und lässt andere wichtige Punkte der Kritik aus.
    Zuerst wäre der Roadmaptext gegen den Vorwurf zu verteidigen, mit seinem „Demo-Knigge“ [Antikraut] einer reinen Bündnispolitik vorzuarbeiten. Zwar stimmt es, dass zusammenarbeit hier nicht kategorisch ausgeschlossen wird, diese jedoch an klare, wenn auch nur äußerliche, Bedingungen geknüpft wird. Dies mag der Forderung nach einer „konsequenteren Basis“[Antikraut] entgegensprechen, doch diese Kritik verkennt die Ebene von Demonstrationen.
    Diese sind zunächst einmal symbolische Veranstaltungen. Sie dienen (sekundär) der Außenvermittlung von Demoinhalten und (primär) der Szeneorientierung. Beides verläuft auf einer rein symbolischen Ebene und es macht somit einen deutlichen Unterschied ob ein „Knigge“ eingehalten wird oder nicht.
    Demonstrationen bedeuten einen Sozialisationspunkt für sich selbst als emanzipatorisch verstehende Personen und eine symbolische Positionierung in der politischen Öffentlichkeit. Beide Aspekte werden erst einmal rein symbolisch wahrgenommen. Fehlen die Parolen und Transparente der reaktionären Linken, so fallen beide Vermittlungen völlig anders aus. Sie behindern eine antideutsche Kritik also nicht und sind ihr teilweise sogar dienlich.
    Gleichzeitig muss jedoch eine weitere Kritik gegen den Roadmaptext geführt werden. Dieser verkennt meines Erachtens nach seine Position. Das permanent angekündigte Machtmittel ist hier die „Verweigerung“(!) einer Teilnahme an solchen Demonstrationen. Dieses Machtmittel funktioniert jedoch nur dann, wenn aus der Abwesenheit der potentiellen antideutschen Demonstrationsteilnehmer ein sichtbarer Nachteil für die Wirkung der Demonstration erwächst.
    Es scheint mir jedoch so zu sein, dass die Mehrheit der Teilnehmer trotz Verletzungen des Roadmaptextes erscheinen würden
    -trotz aller Versuche emanzipatorische Zielsetzungen in linke Zusammenhänge zu tragen.
    Die Drohung des Entzugs der Unterstützung geriert sich aus einer Machtposition und verkennt die eigene (innerlinke) Schwäche. Da wo die Drohung tatsächlichen Rückhalt besitzt, kann sie ein Erfolg sein, bei den meisten Demonstrationen wird sich die Drohung jedoch nicht durchsetzen und die Demonstrationsdurchführung eher vereinfachen denn beeinträchtigen.
    Es ist also wichtig den linken Sumpf nicht durch seine Abwesenheit vor sich hinköcheln zu lassen, sondern die symbolische Auseinandersetzung zu suchen.
    Da trifft die Kritik stellenweise den richtigen Nerv. Es ist wichtig diese Demonstrationen offen mit emanzipatorischer Kritik zu konfrontieren, um so die Kräfteverhältnisse nachhaltig zu verändern. Sich in die Isolation zu flüchten ist keine Drohung sondern Resignation.
    Insofern gilt, dass alle Mitwirkung (!) bei offenkundig antiemanzipatorischen Demonstrationen versagt werden muss und der einzige Berührungspunkt nur die Kritik sein kann.
    Die Mitwirkung muss zur Gegenwirkung oder Kritik werden.
    Da wo die symbolische Wirkung der Demonstration (auch aufgrund eines solchen Knigges) nicht den emanzipatorischen Zielen entgegensteht scheint mir ein Mitwirken jedoch weiterhin möglich. Mehr als ein Verlust der Ehre ist hier schließlich nicht hinzunehmen und um diese kann es einer „ernsthaften antideutschen Kritik“ (Antikraut) selbstverständlich nicht gehen.

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