Kritische Betrachtung des deutschen Gangsterrap

Die Geschichte des deutschen Gangsterrap

Die Geister scheiden sich bei Rapmusikern wie Sido, Bushido, Fler oder Kool Savas. Während die einen es lustig finden sich die Musik anzuhören und das ganze mit einer kräftigen Portion Humor abfeiern, finden viele diese Art der Musik einfach nur scheiße, oder völlig zu recht sexistisch und infantil. Doch, wie kam es dazu? Wie hat sich diese zu großen Teilen menschenverachtende Musik etablieren können. Ich werde in diesem Vortrag, versuchen einen geschichtlichen Abriss des deutschen Gangsterrap dazustellen, und nachher die Künstler, die Musik und die Szene in Bezug auf Nationalismus, Sexismus, Antisemitismus und dem Verhältnis zu Kapitalismus zu durchleuchten, bzw. kritisch zu hinterfragen

Wie alles anfing:

Ich denke es wäre mühsam die gesamte Geschichte des deutschsprachigen Rap zu wiederholen, da gibt es definitiv bereits einige Artikel zu und ich hatte nicht vor den Focus dieses Artikels auf Dinge zu legen, die bereits in zahlreichen Magazinen, Internetseiten oder eigenen Büchern behandelt werden, und die von Advanced Chemistry über die Fantastischen Vier bis zu heutigen Künstlern wie Clueso oder Deichkind reichen.

Unser Focus liegt allerdings auf dem deutschsprachigen Gangsterrap, besonders dem aus Berlin, aber auch Städte wie Frankfurt und die Region des Ruhrgebiets, sollten nicht vergessen werden und spielen zum Teil eine wichtige Rolle in der Geschichte des deutschsprachigen Gangsterrap.

Das Ruhrgebiet in den frühen Neunzigern:
Graffitysprayer und Hip Hopper im Ruhrgebiet beschreiben den Alltag von Sprayern und Rappern im Ruhrgebiet unmissverständlich. Konflikte zwischen rivalisierenden Crews, schwierigen Elternhäusern und eigener Arbeitslosigkeit spiegeln sich in den roughen Texten wieder. Mensch stellt sich gerne als Ruhrpottassis dar und benutzt auch die alltägliche Umgangssprache in den eigenen Raptexten. Die Rapper orientieren sich an New Yorker Rapgrößen oder den Gangsterrappern von der Westcoast. Die Szene ist stark beeinflusst durch Graffity. Besonders zu erwähnen sind hier die Dortmunder Toostrong, die vermutlich die erste ernstzunehmende Underground Rapgruppe war, die nie den Anspruch gehabt hat Rap aus kommerzieller Sicht zu betreiben, sondern ihn lediglich als weitere Ausdrucksform neben Graffity gesehen hat. Toostrong sind die Initiationszündung für selbstproduzierte Independent Produktionen. Gruppen wie Creutzfeld & Jakob, ABS, STF, und viele mehr gründen sich.

In Berlin erscheint etwas später der Undergroundsampler Berlin Underground Vol. 1, der auf dem extra für die Veröffentlichung eigener Tapes gegründeten Label Royalbunker veröffentlicht wird. Darauf vertreten sind Künstler wie Kool Savas, MOR, Royal T.S. (Sido und B- Tight), Rhymin Simon, Taktloss, Funkfüxe und viele mehr. Die Texte spiegeln nicht nur den realen Alltag Jugendlicher mit Migrationhintergrund in Vierteln wie Kreuzberg oder Neukölln wieder, sondern bestehen auch zum Teil aus abgedrehten Geschichten und Gewaltfantasien (Takltoss, MOR besonders zu erwähnen Rapper wie Justus Jonas oder Fu Manchu, Rhymin Simon). Diese ausgedachten Geschichten und der tatsächliche Alltag vermischen sich durch die verschiedenen Stile der einzelnen Künstlern immer wieder in gemeinsamen Liedern und der typisch aggressive, Gewalt verherrlichende Berliner Style entsteht.

Hörbeispiel: MOR mit Wir können nichts bewahren

Die Berliner Szene ist riesig. Es gibt zu der Zeit zahlreiche Gruppen, verschiedene kleine Label, Tonstudios und Konzerte. Die Vernetzungen in der Szene sind wohl kaum für außen Stehende nachzuvollziehen gewesen. So gab es immer wieder Konflikte, und ein Streit ist oft schon dadurch entstanden, dass mensch zu den falschen Personen Kontakt hatte. Es ist ein riesiger, heterogener Haufen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus allen Teilen Berlins und aus allen gesellschaftlichen Gruppen, wobei der aggressive Teil der Szene immer wert darauf gelegt hat aus Westberlin zu stammen. So befinden sich Rapper aus Anwaltsfamilien, die selber Jura studieren darunter, genauso wie kleinkriminelle Deutsche oder Kids mit Migrationshintergrund. Die Szene unterscheidet zu der Zeit nicht, aus welchen Verhältnissen der Rapper kommt, sondern es zählt vor allem der Style, dies bedeutete je aggressiver, desto besser, desto angesehener.

Mit Veröffentlichungen wie Battlekingz (1999) von Westberlin Maskulin (Taktloss und Kool Savas) macht die Berliner Szene auf sich aufmerksam. Erste Features mit Rappern aus anderen Gebieten Deutschlands entstehen. Der Track „Ihr müsst noch üben“ von STF wird veröffentlicht und enthält eine Strophe von Kool Savas, die in der Szene einschlägt wie eine Bombe. Der aggressive Berliner Style ist spätestens seit diesem Lied und dem anschließendem Track „King of Rap“ (2000) von Kool Savas feat. Dj Plattenpabzt aus Düsseldorf (Der ehemalige DJ der Ratinger Formation Fresh Familee, die zu den ersten „bekannteren“ Rapcrews gehörte, die aus Rappern mit Migrationshintergrund stammten und dies auch so thematisierten) ein fester Teil der Deutschen Raplandschaft.

Hörbeispiele: STF mit Ihr müsst noch üben Kool Savas mit King of Rap

Die Szene im Ruhr und Rheingebiet ist wesentlich weiter, was Labelarbeit angeht als die Szene in Berlin und so unterschreibt Kool Savas einen Plattenvertrag bei Put da needle to da Records, welches vom STF Frontmann Peter Stakovich von Köln aus betrieben wird, und durch Ruhrpottrap relativ gute Strukturen erlangt hat. Das 1998 als Mikrokosmos gegründete Label und später in Royalbunker unbenannte Label, ist nicht zuletzt durch Savas Popularität das größte Hip Hop Label Berlins geworden und verkauft Kassetten, Platten und CDs in für Hip Hop bis dahin ungewöhnlich hohen Auflagen für ein Indielabel. Teile der Unternehmensphilosophie von Royalbunker lesen sich wie folgt:
Es geht um aggressiven Humor und intelligente Gewalt. Um intelligenten Humor und aggressive Gewalt. Um gewalttätigen Humor und aggressive Intelligenz. Es geht um… ROYALBUNKER. Die letzten korrekten im Game. Hart, ehrlich, konsequent.
ROYALBUNKER hat nicht für jeden was. Wir sind kein Supermarkt und nicht die BILD Zeitung. Aber ROYALBUNKER hat alles, was wichtig ist.
Hier kann mensch schon sehen, wie vermutlich auch die Texte der Künstler aussehen werden, was mensch jedoch auch sehen muss, ist das hier interessanter Weise von Humor und Intelligenz gesprochen wird, und dies kann den Machern des Labels, bzw. dem Macher des Labels, Staiga, nicht abgesprochen werden. Royalbunker hat nie ernsthaft versucht ein Gangsterimage aufzubauen, da klar war, dass es sich bei den gesignten Künstlern nicht um wirkliche Gangster handelt, sondern um Rapper, die sich nicht in die scheinbare Abhängigkeit eines Majorlabels begeben möchten, auch wenn sich für viele der Rapper von Royalbunker, diese Frage vermutlich nicht gestellt hat, oder stellen wird…

Aber weiter im geschichtlichen Ablauf:
Royalbunker ist zu der Zeit ein deutschlandweites Synonym für Rap aus Berlin, was nicht unbedingt zur Freude der Berliner Szene ist.

2001 verlässt Savas das Label Put da needle to da Records, nach einem Streit über Merchandiseartikel und sucht sich ein neues Label. Er gründet Optik Records als Tochterlabel von Sony BMG und unterschreibt einen der höchst dotierten Plattenverträge, die im deutschen Hip Hop je unterschrieben wurden über 1,5 Millionen €.

Zu dem Zeitpunkt ist Downstairs ein kleiner Hip Hop Laden in Berlin und Betreiber Halil und Sprayer Spector beschließen 2001 ein eigenes Label zu gründen, dass den Namen Aggro Berlin tragen soll, da diese das Potential erkannt haben, dass der Markt dem Berliner Style zu bieten hat. Künstler wie Die Sekte mit ihren Rappern Sido und B- Tight werden gesignt…
Eine der ersten Veröffentlichungen ist das MOR- Dissalbum von MOK, der eindeutig klarmacht, wie Aggro sich zu Royalbunker und deren Rappern positioniert und zwar in einer klaren Haltung gegen sie.

Anfangs noch klein und überschaubar wird die Aggro Ansage Nr. 1 veröffentlicht. Mit mäßigem Erfolg verkauft sich dieses Album, das nur wenige Tracks beinhaltet.
Teil 2 ist da schon erfolgreicher und trägt mit seiner anschließenden Tour dazu bei, dass Aggro Berlin in der Hip Hop Szene ernst genommen wird. Allerdings muss mensch sich vor Augen halten, dass Konzertsaale zu der Zeit zwischen 100- 300 Personen groß waren und Eintrittspreise selten höher als 8 Euro gewesen sind. Trotzdem, die Tour ist ein Erfolg. Mit der Aggro Ansage 3, die den viel diskutierten Track „Arschficksong“ von Sido enthält, der in linken Medien (es gab Texte in der jungle World, der Taz, vom Fraunereferat der Uni Hamburg…) viel diskutiert und selten richtig zitiert wurde, gelingt der Durchbruch.

Hörbeispiel: Sido mit „der Arschficksong“

Die großen Majorlabels klopfen bei Downstairs und den Künstlern von Aggro an und wollen diese abwerben. Doch die Rapper sind Loyal, kein einziger von ihnen geht auf die Abwerbeversuche ein, dass Bushido kurze Zeit später das Label verlässt, ist eher aus seinem Narzissmus und wegen internen Streitigkeiten passiert, er ist ziemlich egozentrisch und hat nach seinem überraschendem Erfolg von „Vom Bordstein bis zur Skyline“, dass sich in der ersten Woche der Erscheinung 10.000 mal verkauft hat, so gut wie kein anderes deutschsprachiges Hip Hop Album von einem Newcomer bis dahin, den Album Titel ziemlich Wörtlich genommen, und wohl keine Lust mehr gehabt im Schatten von Sido und der Sekte zu stehen. Das Kollektivding von Aggro, war einfach nicht mehr sein Ding.

Immer wieder gerät Aggro in die Aufmerksamkeit der nicht Hip Hop hörenden Öffentlichkeit, öffentliche Gewaltdiskussionen oder Diskussionen über Nazirap veranlassen Aggro dazu eine Presseerklärung herauszugeben, die sich wie folgt liest:

AGGRO BERLIN Pressemitteilung
Die Geister, die SIE riefen!
Aus aktuellem Anlass melden wir uns zu Wort.
Kaum ist wieder Wahlkampfsaison, suchen Politiker Themen die in der Öffentlichkeit diskutiert
werden und versuchen sich mit markigen Äußerungen in Szene zu setzen. Aktuelles Ziel sind
Rap-Videoclips.
Es wird ein Verbot von „Gewaltverherrlichenden und rechtsradikalen Rap-Videos gefordert“.
Sowohl in der B.Z. als auch im Focus vom 06.06.05 äußert sich Monika Griefahn (SPD),
Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien; sie wolle die Ausstrahlung
jugendgefährdender Musik-Videos verhindern.
Als Ergebnis dessen werden Aggro Berlin und Künstler die bei uns arbeiten permanent mit dieser Forderung in Verbindung gebracht und somit wird suggeriert, dass bei uns erschienene Musik und dazu gehörige Musikvideos in o.g. Schubladen passen würden.
Wir verwahren uns entschieden gegen derartige Unterstellungen.
Keiner unserer Künstler oder Mitarbeiter ist rechtsradikal. Dieser Vorwurf ist absurd und entbehrt jeder Grundlage.
In keinem unserer Musikvideos wird zu Gewalt gegen Frauen aufgerufen oder anderweitig Gewalt verherrlicht.
Die Künstler, die ihre Musik bei Aggro Berlin veröffentlichen, sind Produkte des Umfeldes und der Gesellschaft in der sie leben. In ihren Texten schildern sie unter Zuhilfenahme von künstlerischen Stilmitteln in einem Hip Hop typischen Kontext die Realität, in der sie aufgewachsen sind. Man darf Ursache und Wirkung nicht verwechseln:
die Gesellschaft hat diese Personen und die Welt in der sie leben geschaffen. Nicht umgekehrt. Genauso wenig wie Marilyn Manson schuld am Massaker an der Columbine Highschool ist, ist Sido nicht verantwortlich für das Verhalten von Kindern auf deutschen Schulhöfen.
Das ausgerechnet Politiker, die tatsächlich Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen haben und ausüben, Sozialausgaben kürzen und Jugendfreizeiteinrichtungen schließen, jetzt mit dem Finger auf die Opfer ihrer Arbeit zeigen ist grotesk. Das Verdrängen und Verbieten die erste Reaktion auf eine Entwicklung ist, die seit Jahren läuft
und jetzt and die (mediale) Oberfläche kommt, offenbart Unwissenheit und Unfähigkeit.
Wir weisen auf das Fazit eines Spiegelartikels hin, der sich u.a. mit den Künstlern unseres Labels beschäftigt: “(…)
Es sind weniger die schmutzigen Wörter, die irritieren, sondern es ist der Blick auf eine brutale Wirklichkeit.“
Aggro Berlin und unsere Künstler nehmen sich die Freiheit heraus, mit dem Finger auf diese Wirklichkeit zu zeigen und nicht die Augen davor zu verschließen, wie die Mehrheit der Menschen in Deutschland. Wir sind der Meinung, dass eine Abschottung von Jugendlichen vor real existierenden Problemen, nach dem Motto: „Aus den Augen –
aus der Welt“, kein guter Erziehungsansatz ist. Im Gegensatz zu Frau Griefahn halten wir einen offenen, kritischen Umgang mit der Realität für den besseren Weg.
Wir weisen darauf hin, dass die von unserer Plattenfirma veröffentlichten Lieder und Videos sämtlich der Kunst- und Meinungsfreiheit unterfallen und wir uns dieses Recht nicht nehmen lassen!
Den sich erregenden Politikern und Medien sollte bewusst sein, dass Bemühungen der Kunst Vorschriften zu machen, sie zu instrumentalisieren oder gar zu verbieten immer der erste Schritt in Richtung Diktatur und Faschismus sind. Hier sollte sich jeder, der Fler einen Mangel an Geschichtsbewusstsein vorwirft, an die eigene Nase fassen.
Aggro Berlin wird solche Bemühungen anprangern und sich dagegen zur Wehr setzen.

Mit dieser Presseerklärung wird mehr als deutlich, dass Aggroberlin nicht wirklich darum bemüht ist, Vorwürfe zu entkräften, indem sie unter Umständen mal darüber nachdenken, was für einen Scheiss sie da produzieren, sondern es wird wirklich mehr als verkürzt versucht, sich als gesellschaftskritische Künstler, die gegen Zensur und Faschismus rappen, und die das kürzen von Sozialleistungen und das schließen von Jugendzentren als einzige auf die Gesellschaft Einfluss habende Faktoren sehen…

Doch, wo ist die Gesellschaftskritik bei Songs wie dem Arschficksong???
Es wird davon gesprochen, dass die Künstler lediglich die „harte“ Realität als Vorbild haben, und diese „in Stilmitteln des Hip Hop typischen Kontext“ schildern… Zu überlegen, in wie weit, ihre durchaus erfolgreichen Veröffentlichungen dazu beitragen, dass Jugendliche Wörter wie „Nigga“ oder infantile sexistische Äußerungen benutzen, tun sie lieber nicht…
Aber diese bereits ziemlich fragwürdige Presseerklärung, bekommt durch Flers Aussagen in einem Interview mit der Hip Hop Zeitschrift Backspin noch mehr fragwürdigen Charakter.

Backspin: Fler, du trittst an mit dem Image des Deutschen, der auf Welle macht. Dein Logo ist ein Adler, und du hast kein Problem damit in deinen Zeilen Lines wie: „ Schwarz, rot, gold, hart und stolz“ zu droppen. Hast du keine bedenken auf den Schulhöfen rechtes denken anzufeuern?

Fler: Nein, ich glaube sogar, dass rechte Jugendliche, die meine Musik hören, bald nicht mehr rechts sind. Denn Kids etwa in Lichtenberg, wo es viele Nazis gibt, haben doch niemanden mit dem sie sich identifizieren können. Und jetzt kommt da ein deutscher Rapper, der auch noch sagt: Ja ich bin deutsch aber ich habe kein Problem mit Ausländern.“ Viele Freunde von mir sind Kanaken, und sie haben kein Problem, wenn ich sie so nenne. Und die sagen sogar, dass sie das cool finden, wie ich das mach. Ich habe mich noch mit keinem Ausländer aus meiner Clique darüber unterhalten, ob das schlimm ist, was ich mache. Nur Deutsche sagen: „Uh, du bist ein Nazi.“ Dabei ist das was ich mache, gar keine deutsche Sache, sondern eine amerikanische.

Interessant. Erst einmal die Frage find ich für die Backspin schon aussergewöhnlich politisch, allerdings konnten sie wahrscheinlich auch nicht anders, denn die öffentliche Diskussion war zu der Zeit einfach zu groß, als dass sie das Thema nicht ansprechen könnten. Aber die Antwort von Fler ist schon faszinierend und die Aussage aus der Pressemitteilung: „Hier sollte sich jeder, der Fler einen Mangel an Geschichtsbewusstsein vorwirft, an die eigene Nase fassen“ bekommt durch dieses Interview eine ganz eigene Note. Nicht nur, das er erstmal schon gar kein Problem damit hat, dass rechte Jugendliche seine Musik hören, ein Phänomen, dass ich bis dato nur aus dem Oi! Punk kannte, sondern er behauptet doch ernsthaft, dass er derjenige ist, mit dem die Nazikids sich identifizieren können… Und das alles, weil er deutscher ist….

Und schlimm ist das alles ja eh nicht, denn er ist zwar deutscher hat ja aber kein Problem mit Ausländern. Die wiederum haben kein Problem damit wenn er Kanake zu ihnen sagt, aber darüber gesprochen hat er auch noch nicht mit ihnen…

Ok, also nur weil die ausländischen Freunde angeblich kein Problem damit haben Kanaken genannt zu werden, ist es deshalb scheinbar Ok, wenn ich das auch tue, und das sogar in einem Zeitungsinterview als normal bezeichne… Die Frage, nach der Reflexion stellt sich für Fler anscheinend nicht, denn er ist vermutlich einfach zu dämlich dafür…
Er möchte nämlich in letzter Konsequenz, deutsche Kids in Lichtenberg, die seine Musik hören, stolz drauf sind Deutsche zu sein, Ausländer in ihrer Umgebung als Kanaken bezeichnen, und diese nicht fragen, ob sie es schlimm finden… Ja stimmt, das sind dann keine rechten mehr… im verkürztem bürgerlichen Sinne, da diese nicht dem Bild des Naziskinheads entsprechen werden. Nein, das sind dann im Gegensatz dazu, wie es MOR immer vorgeworfen wurde, echte Rapnazis! Auch wenn Fler selber natürlich keiner ist… Ist ja klar, denn er hat ja laut Pressemitteilung von Aggro kein mangelndes Geschichtsbewusstsein… Wird das gesagt? Nein, es wird nur gesagt, die die es ihm vorwerfen, sollen sich an die eigene Nase fassen. Ok, könne wir alle ja mal machen, doch warum find wir es dann trotzdem noch Scheisse?
Flers Aussagen schüren Rassismus, gerade diese Identifikation mit einer Nation, und das er seine Freunde pauschalisierend als Kanaken bezeichnet, egal welchen Migrationshintergrund sie haben, ist nämlich nicht mehr nur noch Nationalistisch, sondern ganz klar und offensichtlich rassistisch.

Hörbeispiel: Fler mit neue deutsche Welle

Offensichtlich ist Fler wirklich das Paradebeispiel inwiefern der Umgang des „neuen“ Deutschland mit der eigenen Vergangenheit ist, Flers Song Neue deutsche Welle könnte die Hymne der Bewegung des neuen deutschen Patriotismus sein und alles ist in Ordnung und absolut gerechtfertig, die Diskussion um Flers Texte hielt ja nicht gerade lange an, denn er hat ja gesagt, er ist gegen die Nazis, ja er denkt sogar er könnte sie dazu bringen keine Nazis mehr zu sein. Spätestens hier werden auch die letzten Sozialpädagogen kein Problem mehr damit haben Aggro Berlin in ihrem Juze zu hören, denn das ist ja alles PC….

Aber wie kommt es bei Fler eigentlich zu dieser Überidentifikation mit Deutschland? Klar ist es mittlerweile durch zahlreiche Kampagnen und nicht zuletzt durch den WM- Hype kein Problem mehr sagen zu können „Ich bin stolz deutscher zu sein“, aber die nachfolgende Antwort im Backspin Interview gibt auch hierzu mehr Aufschluss:

Backspin: Was hat dich dazu motiviert dich so darzustellen wie du es tust?

Fler: Einer musste diesen Schritt ja mal wagen. Guck mal, ich kann nicht wie jeder Araber oder Türke in Schöneberg meine Fahne aus dem Fenster hängen. Wäre ich Araber gewesen, wäre ja auch klar wie mein Logo aussieht. Und so macht Specter das Logo, dass zu mir passt, und dass ist nun mal der Adler. Und wenn wir eine Schrift wählen, nehmen wir eben eine Altdeutsche. Da zu sagen das wäre rechtsradikal, ist doch schizophren. Man muss nur meine Platte hören. Jedes Feature ist von einem Ausländer. Der Bruder meiner Mutter ist türke, weil meine Oma zweimal geheiratet hat. Das sind so Sachen. Außerdem: Genau diese Einstellung, stolz zu sein wo ich herkomme – das habe ich doch von den Türken gelernt. Sonst wäre mir das doch so nie aufgefallen.

Ok… Hier wird einiges deutlich… ist Fler also ein Nationalist, aus Kompensation des Nationalismus von Türken und Arabern aus seinen Umfeld in dem er aufgewachsen ist? Welche Begründung haben Nazis, wenn sie argumentieren warum sie Nazis sind… Standardargumente wie, die nehmen uns die Arbeitsplätze weg, die wollen Deutschland übervölkern und ähnliches, werden also anscheinend von Fler auch nur „in einem Stilmittel im Hip Hop typischen Kontext“ verarbeitet… Alles andere hätte vermutlich zuviel Anspruch.

Aber auch scheinbar intelligentere Rapper der Berliner Szene, haben kein Problem mit Nationalismus, so wirkte Kool Savas bei der Aktion: Du bist Deutschland mit. Und das obwohl in mindestens jedem zweiten seiner Tracks angesprochen wird, dass er ja „Türke“ ist und darauf stolz ist, und das er ja deswegen auch der Underdog hier ist, weil er als Türke es geschafft hat einen Lexus Geländewagen fahren zu können, den auch Cash bezahlt hat, und jetzt der Albtraum aller Schwiegermütter wird.

Sicherlich kann mensch nicht leugnen, dass Savas eine Entwicklung durchgemacht hat. Seit Hoes, Floes Monetos, Pimpenlegionär, Lutsch meinen Schwanz, bis zu der beste Tag deines Lebens oder die John Bello Story, hat sich sicherlich etwas verändert…
Statt Stewardessnutten mit der Flak vom Himmel zu holen, oder Frauen nach dem Sex zu schlagen, kommen von Savas mittlerweile eher gemäßigte Aussagen, die im Endeffekt den gleichen Charakter haben. Er sagt selber, er hat gemerkt, dass er für viele eine art Vorbild geworden ist, und deshalb rappt er lieber darüber, wie schwer es doch ist einen Job hier zu finden, und das mensch die Hoffnung auf ein besseres Leben im und mit Kapitalismus nicht aufgeben soll, und dass es jeder schaffen kann so reich wie er zu werden, wenn mensch nur an sich glaubt… Aber zwei Tracks später, schläft er mit deiner Freundin nur um dich zu dissen und reduziert in vielerlei Hinsicht Frauen auf einen reinen unselbstständigen Gebrauchsgegenstand…
Nicht mehr mit der gleichen Intensität an Verbalradikalität wie ein paar Jahre zuvor. Massenverträglich halt….

Deshalb war es ja auch kein Problem, weder für die Verantwortlichen der „Du bist Deutschland“ Kampagne, noch für Savas diese zu unterstützen. Er hat toll in dieses Bild gepasst. Das Klischee, des erfolgreichen Migranten, wird von ihm besonders gut verkörpert. Er beweisst, dass jeder Verwertbar ist, und das auch Kulturelle Aspekte einen wichtigen Anteil in der neuen deutschen Gesellschaft haben, die Deutschland wieder nach oben bringen soll, gemeinsam mit den nicht mehr nur noch Gastarbeitern…. Sondern mit den Teilzeitdeutschen, die erst unbequem werden, wenn sie kriminell werden, und falls sie das vorhaben, sollen sie sich doch bitte ein Vorbild an Kool Savas nehmen…

Hörbeispiel: Kool Savas Der beste Tag deines Leben/ LMS

Denn Savas entspricht ja eben dem multikulturellen Ideal des an die deutsche Gesellschaft angepassten Migranten, denn er hat Erfolg, auch wenn sicherlich die Frage im Raum stehen könnte und vielleicht auch mal sollte, warum Savas so ein ausgesprochen krasser Sexist ist…
Durch das an die deutsche Gesellschaft angepasst sein? Oder durch die evt. türkisch beeinflusste Sozialisation? Oder vielleicht doch nur durch die Sozialisation von Hip Hop Vorbildern, bzw. die Sozialisation in einer Subkultur? Eines kann mensch auf jeden Fall ohne weiteres festhalten: Im Hip Hop herrscht ein stark durch Männer dominiertes Frauenbild, das zutiefst sexistisch ist. Das ist nicht nur im deutschen Gangsterrap so, sondern wurde von den „Vorbildern“ im amerikanischen Hip Hop schon genauso exzessiv vertreten wie jetzt in Deutschland. Eine der wenigen mir bekannten Kampagnen gegen Sexismus im Hip Hop ist ein Video eines eher unbekannten amerikanischen Rappers, der sich in 2 Minuten dagegen ausspricht Frauen als reine Sexobjekte zu betrachten, obwohl Rapper wie z.B. die Beastie Boys sich regelmäßig gegen Sexismus und Homophobie aussprechen. Aber trotzdem stehen dem vermutlich unzähligen Stunden an sexistischen Rap gegenüber… In Deutschland ist mir übrigens keine Aktion in dieser Art bekannt und wenn sich vereinzelt Rapper gegen Sexismus aussprechen, dann auch eher im romantisch verklärten Sinne einer großen Liebe. Von absolut gleichberechtigten Menschen, über dem von der Gesellschaft als normal anerkannten Standard, kann auch hier nicht die Rede sein. In wie weit hier die Sozialisation und die kulturelle Identität von Rappern mit Migrationshintergrund eine Rolle spielen ist Spekulation, aber einige Aspekte dürften hier gar nicht, oder nur sehr schwer von der Hand zu weisen sein. Sexismus allerdings ist bestimmt nicht nur ein „Migrantenproblem“.

Übrigens, natürlich ist den deutschen Rappern auch besonders Homophobie vorzuwerfen, das wurde ebenfalls wieder 1 zu 1 von den amerikanischen Vorbildern übernommen. Auch hier hat Savas einige fragwürdige Klassiker veröffentlicht, wie den Track: Schwule Rapper. Das sich Schwul als Schimpfwort etabliert hat, wie es zur Zeit der Fall ist, geht meiner Einschätzung nach, zum Großteil auf die Homophobie der deutschen Gangsterrapper zurück….

Ein vorhin schon angesprochener interessanter Aspekt ist, wie bereits erwähnt der Migrationshintergrund von einigen deutschen Gangsterrappern. Denn dieses Klischee, von deutschen Gangsterrappern mit Migrationshintergrund wird nicht nur von Savas in riesigen Werbekampagnen bedient, sondern von vielen Rappern aus Berlin und anderen Städten…
Denn wie der Dj von Bushido einmal sagte: Ey alter, Bushido ist der deutsche 50 Cent…
Das mag stimmen, doch irgendwie…

Als ich Bushido das erste mal 1999 getroffen habe, auf einer kleinen Hip Hop Jam in einem so genannten Kultur und Jugendzentrum in einem beschaulichen Städtchen am Rande des Ruhrgebiets, zu der er per Mitfahrgelegenheit gekommen ist, weil er unbedingt Rappen wollte, mal ganz von einer Gage abgesehen, war das ganze Image sicherlich schon extrem aufgesetzt, aber wirklich sicher sein, dass er mal riesigen Erfolg haben würde, konnte er da noch nicht, und so hat er bestimmt die Kohle, die er zusätzlich zu seinem Taschengeld haben wollte, durch irgendwelche krummen Dinger verdient, aber darauf angewiesen war er bestimmt nie. Seine allein erziehende Mutter, die noch heute seine Wäsche für ihn wäscht, und das typische Klischee einer deutschen Hausfrau bedient, die übrigens auch deutsche ist, hat sich nämlich all die Jahre, in denen er versucht hat Rapper zu werden blendend um ihn gekümmert.

Also versucht jemand anscheinend hier ein ganz klares Image zu verkaufen. Im Endeffekt ist es sicherlich keine Entschuldigung, eine gute Kindheit gehabt zu haben um kriminell zu werden, aber die Tatsache, dass er so erfolgreich damit ist, ein Image zu verkaufen, dass den Kids die seine Musik hören vorgaukelt, er wäre ein krimineller Ausländer ohne Perspektiven und für ihn hätte es immer nur Rap, Koks und Nutten gegeben und andere Optionen hatte er nicht, stimmen schlichtweg nicht…

Hier wird eine Romantik bedient, die einem musikalischen Erfolg eine kriminelle Vergangenheit voraussetzt. Wie die amerikanischen Vorbilder, die vom Crackdealer zum hundertfachen Millionär werden, wie Jay Z, 50 Cent, Tupac oder Biggi, sind auch Bushido, Sido, Savas, B- Tight, Fler und wie sie alle heissen, scheinbar Kids aus der Unterschicht, die niemals Perspektiven hatten und alle in, so wie in Amerika nun mal in Deutschland nicht existierenden, Ghettos aufgewachsen sind… Deshalb fand auch vermutlich diese Überidentifikation bei einigen von ihnen statt und jeder möchte gerne Jay Z sein. Vom Tellerwäscher zum Millionär heisst es da, und das kann mensch nur dann werden, wenn er Tag und Nacht Raptexte schreibt, Konzerte gibt, Platten aufnimmt und verkauft, so formuliert es jedenfalls Savas, für den harte Arbeit mit Sicherheit kein Fremdwort ist. Und von seinem Mönchengladbacher Zögling EKO und seinem jetztigen Erzfeind, wurde kurzerhand die Plattenfirma (übrigens ebenfalls eine Tochter von Sony BMG) German Dream gegründet…
Ob der amerikanische Traum vom Gangster zum Gangsterrapper zum Multimillionär 1 zu 1 übernommen werden kann? Wohl eher weniger. Findige Geschäftsleute wie Halil, Staiga und Spector, denen von Anfang an ganz bewusst war, dass dieses ein sich gut verkaufendes Image bzw. ein sich gut zu verkaufender Trend ist machten sich diesen auch zu nutze. Es ist entgegen der Behauptung von Fler im Backspin Interview antiamerikanisch, wenn gesagt wird, dass mensch sich als ganz klare Reformation des Rap versteht, das der deutschsprachige Rap der weitergehende ist und das es sich nicht einfach nur um eine (schlechte) Kopie des amerikanischen Gangsterrap handelt, sondern eben um deutschen Gangsterrap, von Kids mit Migrationshintergrund wie dem nahen Osten. Darauf basiert ein Großteil der so genannten Realness, denn die Einzigartigkeit, das sich vom Plagiat freisprechen können, war im Rap immer eine der wichtigsten Beurteilungskriterien, denn es gibt ja bekanntlich nichts schlimmeres als Faker, Rapper die anderen Ideen klauen. Das wird übrigens den ganzen unliebsamen Rappern immer vorgeworfen, von den Amis zu klauen, deine sich nach Primo anhörenden Beats heisst es da oft ( O- Ton Savas: Du glaubst wirklich du kannst Primo überbieten?)… Der hier angesprochene DJ Premiere gehört zu den erfolgreichsten Produzenten von Hip Hop Beats in Amerika und ist der DJ der legendären Gruppe Gangstarr und produzierte einige der bekanntesten Rapklassiker.

Doch eben genau das klauen amerikanischer Ideen wird durch solche Aussagen versucht zu legitimieren, obwohl es ja erstmal gar kein Problem wäre, wenn es so wäre und es sich nur um eine deutschsprachige Übersetzung handele, aber aufgrund einer verbesserten Markstellung auf dem deutschen Musikmarkt, wird eben das verleugnet und von etwas eigenem, etwas deutschem gesprochen. So können sogar Nazis deutschen Rap hören oder machen…

Aber auch offener Antiamerikanismus wird ganz locker in den Rapvideos und Liedern der sg. Gangsterrappern verwandt. Wobei das natürlich kein reines Gangsterrapding ist, denn auch Blumentopf machen Lieder gegen George W. Bush und lassen sich ganz ohne Probleme in an orthodoxe Juden angelehnten Outfits kombiniert mit Palituch ablichten um auf dem Titelbild einer Modezeitschrift zu erscheinen (Loop Ausg. 131 April 07) und haben selber noch den Anspruch politisch korrekt und überdurchschnittlich Intelligente Rapper zu sein, nachdem sie während der WM auf den fahrenden Zug gesprungen sind und versucht haben, was ihnen mit Sicherheit auch zum Teil gelungen ist, ihre Fans für die WM zu begeistern, indem sie nach jedem Deutschlandspiel Lobeshymnen auf die deutsche Mannschaft bei ZDF gerappt haben…
Oder scheinbar politisch eher dem Linksradikalen Spektrum zugehörende Musiker verwenden, ganz locker, zum Teil offen antisemitische, antiamerikanische und personifizierende Kapitalismuskritik, wie beispielsweise der Vorzeigerapper der antiimperialistischen Linken Holger Burner, der mittlerweile aber sogar von Anti G 8 Veranstaltungen der Falken verjagt wird, wobei ja nicht verwunderlich ist, das Menschen mit einer „linken“ politischen Sozialisation sich so äußern…

Hörbeispiele: Blumentopf mit Danke Bush / Wahrheit mit Hölle auf Erden

Antiamerikanismus ist neben Beatz um die 80 – 100 Beatz per Minute eine der Gemeinsamkeiten der deutschen Hip Hop Landschaft. So wird in einem Video von Bushido US- Präsident Bush von hinten erschossen, oder aber die Rapper Azad, Jeyz, Chaker und Sezai ganz aktuell im neuen Song Hölle auf Erden erzählen davon, das Amerika einen Krieg gegen den Islam führt, Amerika sich aufführt wie ein Zuhälter, der Teufel in einem weissen Haus wohnt, und George Bush nur ein Handlanger von Lobbygruppen ist, dass das Kapitalismus ist und die Wahrheit mit allen Mitteln verschwiegen wird und alle Menschen sowieso blind sind. Das ist nicht mehr „nur noch“ personifizierende Kapitalismuskritik, das könnte deutschsprachige Propaganda von Hamas oder Al Quaida oder aber der NPD sein. Es werden zahlreiche ekelhafte und stumpfe Phrasen übernommen, lediglich das Wort Jude kommt im Song nicht vor. Interessanterweise, gab es nicht wie in England bei Videos von so genannten Jihad Rappern große Empörung über die im Video getroffenen Aussagen oder aber die bewusst bedienten bildlichen Klischees, denn alle Rapper sind als Guantanamo Bay Häftlinge dargestellt, sondern das Lied läuft zur Zeit bei allen Musiksendern auf Rotation. So leicht kann mensch in Deutschland antiimperialistische bzw. verkürzte Kapitalismuskritik unter die Massen bringen. Hauptsache es ist gegen Amerika, das perfide daran ist übrigens, dass der Track und das Album der Formation auf dem von Azad geführten Label Bozz Music veröffentlicht wird, dass ein Tochterlabel von Universal Records ist, die weltweit einen Marktanteil von 25,6 % haben. Das ist ja erstmal nicht verwerflich, doch ist das erstaunliche daran, dass ein solches Unternehmen kein Problem damit hat, Künstler unter Vertrag zu nehmen, die offen solche Dinge wie die eben angesprochenen herausbringen. Offensichtlich ist mit solchen Aussagen in Deutschland ohne weiteres Geld zu verdienen, denn ein Label in der Größenordnung, kann durchaus ganz gut einschätzen wer Chancen auf dem Markt hat und wer nicht. Antiamerikanismus verkauft sich, das hat schon Michael Moore bewiesen…

Aber gerade in diesem Lied wird auch wieder deutlich, wo scheinbare Gemeinsamkeiten in den heterogenen Gruppen sind. Denn bei dem im Track vorhandenen Rappern handelt es sich nicht nur um Moslems, während Azad Kurde aus dem Iran, Sezai Türke und Chaker Tunesier sind, ist Jeyz Sizilianer und hat keinen muslimischen Background. Doch wie begründen die Künstler der Formation die Aussage Amerika führt einen Krieg gegen den Islam? Wer oder was ist denn in der Definition der Rapper der Islam? Hier wird ganz klar das Weltbild von Islamisten übernommen, die alle Moslems als Moslems sehen, die an den einzig wahren Islam glauben und nicht in zahlreiche Glaubensrichtungen differenzieren, wie Schiiten oder Sunniten oder andere, denn sonst wäre diese Aussage von ihnen, als Anhänger verschiedener Richtungen des Islams, ja zum Teil verschiedener Religionen, so nicht begründbar und sie könnten nicht, wie im Track geschehen, gemeinsam dahinter stehen. Auch die Personifizierung des Teufels in George W. Bush, oder die Aussage alle Politiker hören auf das was der Teufel sagt, und das anflehen an Gott, dass er ihnen bitte helfen möge, sprechen eindeutig für religiösen Fanatismus. Übrigens gerade bei Azad ein immer wieder kehrendes Element

Auch in Amerika selber spielt der Islam immer wieder eine Rolle im Hip Hop. Durch die amerikanische Black Community und deren Affinität als Religion eines Teils der schwarzen Sklaven die aus muslimischen Ländern grausam entführt wurden, hielt der Islam auch im Hip Hop Einzug. Zahlreiche Rapper konvertierten zum Islam. Aber auch viele religiöse Christen sind im Gangsterrap zu finden. Und immer wieder wird darauf Bezug genommen, dass Gott doch bitte helfen möge, anstatt mal zu überlegen, was mensch vielleicht an seinem eigenen handeln ändern könnte…

Die antiamerikanischen Klischees übrigens können ohne weiteres von deutschen Gangsterrappern übernommen werden, denn auch im amerikanischen Gangsterrap gibt es zahlreiche Auswüchse antiamerikanischer Positionen, die weitaus weiter gehen als die Kritik am eigenem Staat oder den bestehenden Verhältnissen, sondern die eben den antiimperialistischen Weltbild entsprechen und alle Facetten falscher Kapitalismuskritik und verkürzter Denkansätze über strukturellen und offenen Antisemitismus bis hin zu im amerikanischen Rap auch ganz deutlichem offenem Rassismus führen. Dieser kann in Ansätzen auch schon im deutschen Hip Hop gesehen werden, denn nicht nur die oft stattfindende Überidentifikation mit dem scheinbaren Heimatland wird von vielen Gangsterrappern betrieben, sondern abgesehen von Fler der es macht, werden auch oft von anderen Rappern, auch von Rappern mit Migrationshintergrund Pauschalisierungen vorgenommen, die durchaus rassistischen Charakter hat, denn oft reicht es Araber, oder eben auch „Kanake“ zu sein um von der Gruppe anerkannt zu werden. Es wird versucht die Heterogenität der Subkultur Hip Hop, die bis dato galt, aufzubrechen und eine eigene Richtung, den Gangsterrap zu etablieren, in der bewusst in der Gesellschaft vorhandene Vorurteile gegen Ausländer bedient werden um diese zu vermarkten. Auch das „Bad Boy“ Image, war immer eines, was durchaus hohen Marktwert versprach und vermutlich versprechen wird.

Professionelle Vertriebsstrukturen, Plattenverträge über hunderte von Seiten, gut geplante Werbekampagnen, perfekt durchgeführte Konzerttourneen und alles andere was damit zu tun hat, zeigen, das der Wunsch nach kommerzieller Verwertbarkeit, gerade beim deutschsprachigem Gangsterrap einer der Hauptaspekte ist. Damit es möglich ist, ein zufrieden stellendes Ergebnis mit der Ware Gangsterrap zu erzielen, müssen anscheinend unsäglich viele reaktionäre Elemente darin einbezogen werden, damit mensch credibil auf dem Markt ist. Es werden sexistische, antiamerikanische, oft strukturell und seltener offen antisemitische und rassistische Vorurteile bedient. Eine vernünftige Gesellschaftskritik in denen es in den Anfängen des amerikanischen Hip Hop ging, ist im deutschen Gangsterrap keineswegs zu finden, da kommerzielle Interessen aller Beteiligten viel zu sehr im Vordergrund stehen, als das eine ernsthafte Kritik an der Gesellschaft, die unter Umständen zu Verlusten führen würde formuliert würde. Deshalb wird immer wieder in das Horn der deutschen Gesellschaft geblasen und falsche Strukturen, Institutionen und reaktionäre Denkansätze werden auch von deutschen Gangsterrappern verstärkt, denn natürlich haben auch die, anders als Pressemitteilungen von Aggro Berlin vermuten lassen, schlechten Einfluss auf die Gesellschaft, wie jede Kritiklose annahme der bestehenden Verhältnisse.
Und eine scheinbare „Kritik“ an den bestehenden Verhältnissen, im Sinne der deutschen Gesellschaft, so wie es zum Teil vorgegeben wird, wenn gesagt wird mensch mache nur auf gesellschaftliche Missstände wie den Umgang mit antisemitischen und rassistischen Schimpfworten und Sexismus aufmerksam, indem man es nicht tabuisiert, sondern in einen so genannten Hip Hop typischen Kontext setzt, kann durchaus als reaktionär bezeichnet werden, denn es bleibt festzuhalten: kein anderes vorhandenes System ermöglicht freiheitliches Denken und Handeln mehr als die manifestierte Demokratie der USA, struktureller und offener Antisemitismus sind scheiße und gehören bekämpft, Sexismus und Homophobie auch, und Kapitalismus kann nicht durch Personifizierung abgeschafft werden, sondern muss erstmal richtig verstanden werden um ihn zu überwinden…

Ach ja, und gute Musik kann mensch natürlich auch in dieser Gesellschaft machen und hören…

Kritik am Roadmaptext der LeA

Hier wurde eine Kritik am Roadmaptext formuliert und von der virtuellen Gruppe zur Verfügung gestellt. Falls ihr den Originaltext nicht kenn findet Ihr ihn hier:

Die Myspace Gruppe Antifa Antideutschland unterstützt den Text über die politischen Mindeststandards gegen linken Antizionismus

Allerdings möchte die Gruppe ihre Unterstützung, aufgrund aktueller szeneinterner Diskussionen, argumentativ erweitern und sich vorbehalten auch Kritik an diesem Text zu äußern.

Wir erkennen an, dass es notwendig ist eine klare Position gegenüber „linken“ Antizionisten zu formulieren, doch impliziert der Text ebenfalls die Option der evt. Bündnisarbeit.
Diese lehnen wir ab!
Eine ernsthafte antideutsche Kritik, die wie im Text auch benannt, eine Kritik an der gegenwärtigen Gesellschaft darstellen soll, sollte den antiemanzipatorischen Antiimperialisten keinen Demoknigge für das Verhalten gegenüber mit Israel solidarischen Menschen formulieren, sondern sollte die Forderung keinen Frieden mit den Feinden Israels auch in letzter Konsequenz im eigenen Handlungsumfeld umsetzen und jede (!) Zusammenarbeit ablehnen.
Die Kritik eben dieser reaktionären antizionistischen Ideologie, sollte der einzige Berührungspunkt bleiben.
Auch wenn dies in der Praxis oft schwer umzusetzen ist, wenn das gemeinsame Ziel z.B. die Verhinderung eines Naziaufmarsches ist, und man oftmals gemeinsam den Repressionen des deutschen Staates oder der gemeinsamen Bedrohung durch Neonazis ausgesetzt ist.
Hier möchten wir auf die Diskussion verweisen, die aktuell von verschiedenen Gruppen in verschiedenen Gremien geführt wird – beispielhaft sei hier die Diskussion zwischen GWG und MAD Cologne über die Zukunft des Konzeptes Antifa genannt.
Ist es überhaupt noch sinnvoll gegen Nazis zu demonstrieren, oder lässt die Antifa sich von der deutschen Gesellschaft und dem Aufstand der Anständigen im Kampf gegen die „bösen“ Nazis instrumentalisieren, um vom eigenen gesellschaftlichem Versagen abzulenken?
Wir denken, dass es nach wie vor wichtig ist an Demonstrationen teilzunehmen, denn eben diese sind Schauplätze staatlicher Repression und eine Darstellung gesellschaftlicher Missstände. Diese traurigen Happenings – die oft nur ein Abenteuerspielplatz für Jugendliche sind – sind der richtige Ort um am praktischen Beispiel deutlich zu zeigen, was an unserer Gesellschaft eigentlich verkehrt ist. Dies tun wir nicht nur im Kampf gegen rechtsextreme Neonazis und die deutsche Gesellschaft, sondern auch im Kampf gegen die antiemanzipatorische Linke, die offensichtlich kein Problem damit hat sich von den Deutschen instrumentalisieren zu lassen!
Wir sehen in der Präsenz von antideutschen KommunistInnen auf antifaschistischen Demonstrationen die Chance und Notwendigkeit diese Demonstrationen auch mit tatsächlich antifaschistischen Inhalten zu füllen, und einer antideutschen Kritik eine konsequentere Basis zu geben.
Wir möchten hier auch nicht mehr zum hundertsten Mal darauf eingehen, dass Rechtsextreme und Antizionisten nur eine logische Konsequenz der deutschen Gesellschaft und Ideologie sind, sondern lediglich verkürzt darstellen, weshalb wir denken, warum so ein Text, wie der hier als Grundlage dienende Text der Leipziger Antifa eigentlich nicht notwendig sein sollte!
Denn bei dem Roadmaptext handelt es sich nicht um eine Kritik am Antizionismus, sondern lediglich um eine Kritik des Verhalten von Antizionisten antideutschen Kommunisten gegenüber. Der Text erfüllt insofern nicht wirklich den Anspruch einer Kritik, sondern das praktische Ziel eines besseren miteinander. Im Endeffekt, versucht er autoritär, auch wenn das am Anfang des Textes relativiert wird, das Verhalten von Antiimprialisten gegenüber Antideutschen zu beinflussen.
Wir erkennen allerdings die kritischen Elemente im Text der Leipziger Antifa an, und unterstützen sie, da auch wir nicht wollen, dass unnötige Angriffe, sei es nun in verbaler oder auch in physischer Form, durch unsere Genossinnen oder Genossen erlitten werden müssen!
Wir ziehen es vor erstmal argumentativ den Antizionisten deutlich zu machen, dass wir ihre Politik und ihr Verhalten ablehnen, und dass wir uns auf keinerlei Kompromisse in unserer politischen Arbeit einlassen.

Mit solidarischen Grüßen

Die Myspace Gruppe Antifa Antideutschland!

http://groups.myspace.com/antideutsch



Meta

Dieser Blog, soll eine Kritik an den bestehenden Verhältnissen darstellen. Er wird zwischen Partys, dem schlechten Leben im Schlechtesten und emotionaler Verwirrtheit geschrieben. Das mag dann auch der Grund sein, weshalb Destruktivität eine der Dinge ist, die mir am meisten Spass machen, und ich mit Sicherheit nicht immer richtig liege. Doch wie wir alle wissen, ist schon die reine Kritik ein Weg eine Option des besseren aufzuzeigen.

Kategorien

Buttons

  • blogsport.de
  • Einloggen